#bcka14

Vor gut einem Jahr überzeugte mich Juna davon, mal auf ein Barcamp zu gehen. Das wird dir gefallen, sagte sie. Und sie sollte recht behalten. Ich mag Barcamps. Ich mag die Freiheit, die dieses Konzept bietet, ich mag die Menschen, die Diskussionen, die entstehen und ja, auch die Sponsoren mag ich ein bisschen. Ich bin dankbar, dass sie sponsoren :-)

Und scheinbar bin ich nicht der einzige, dem Barcamps gefallen. Fabian Beiner und seine selbsternannte Gurkentruppe sind offensichtlich auch Freunde von Barcamps. Ein anderer Grund, warum sie sich sonst die Mühe machen würden, ein Barcamps zu verstalten, will mir einfach nicht einfallen.

Barcamps werden auch als Unkonferenzen bezeichnet. Unkonferenzen deshalb, weil sie ein bisschen wie Konferenzen sind und doch ganz anders. Im Gegensatz zu Konferenzen weiß man vorher nicht, was für Vorträge einen erwarten. Jemand kümmert sich zwar um den Rahmen, dazu zählen zum Beispiel Ort, Zeit, Verpflegung, doch die eigentliche Konferenz, das Programm, wird von den Teilnehmern gestaltet. Jeder kann eine sogenannte Session enbieten. Das kann eine Diskussion, ein Workshop oder ein klassischer Vortrag sein. In Karlsruhe dauerte eine Session 45 Minuten. Häufig werden mehrere Sessions gleichzeitig veranstaltet, was zur Folge hat, dass man nicht alles besuchen kann.

Dadurch, dass das Programm im Laufe des Barcamps entsteht, herrscht eine unglaubliche Dynamik. Oft treffen sich im Verlauf noch Menschen und stampfen spontan gemeinsam Sessions aus dem Boden.

Das Team um Fabian organisierte am Wochenende das Barcamp Karlsruhe 2014 in der Karlshochschule, kurz (und twittertauglich): #bcka14. Sie kümmerten sich mit Hilfe der Sponsoren um die Räumlichkeiten, das Internet, Koffein und andere Getränke, das Catering und trieben schier unendliche Mengen süße Teilchen auf.

Was dieses Barcamp für mich vom bisherigen Rest abhob, war die Vorstellungsrunde zu Beginn. Jeder Teilnehmer hatte im Vorfeld drei Begriffe angegeben, die ihn ausmachen, interessieren oder für die er steht. Bevor das los ging, hatte ich die Befürchtung, dass das bei geschätzten zweihundert Menschen recht langweilig wird.

Weit gefehlt, es hat Spaß gemacht und gezeigt, wie breit das Spektrum auf dem #bcka14 gefächert ist. Viele Teilnehmer kamen aus dem Bereich der Softwareentwicklung, doch auch Vertriebler, Krankenpfleger oder Social-Media-Menschen waren da. Es war eine bunt gemischte Truppe, was sich dann auch in den Sessions wiederspiegelte.

Ich selbst bot eine Einführung in die Emailverschlüsselung mit GnuPG an, die sich dann zu einer Diskussion um die Benutzerfreundlichkeit und Sinnhaftigkeit der Verschlüsselung von Kommunikation entwickelte. Das war etwas, was ich bei der Vorbereitung nicht bedacht hatte, aber solche Diskussionen sind großartig! Der Auslöser für meine Session war Daniel, dem ich neulich eine Email schreiben wollte. Als er auf meine Frage, ob er verschlüsselte Emails lesen kann, nicht “Ja” sagen konnte, beschloss ich für ihn, dass sich da was dran ändern muss und die Idee für eine Session war geboren. Bei meinem Vortrag bekam ich kurzfristig Hilfe von Daniel, der etwas zu verschlüsselten Emails unter Android sagen konnte. Mein Vortrag war eher auf “echte” Computer fokussiert, von daher war das eine sehr schöne Ergänzung. Dafür möchte ich mich nochmal bedanken.

Nach meiner Session, die direkt im Anschluss an die Sessionplanung stattfand, besuchte ich den Vortrag von @zwitscherjoe. Er gab eine Einführung in das Informationsdesign, ein sehr interdisziplinärer Bereich und somit ein echt interessanter Vortrag.

Danach folgte eine Diskussion über “Share Economy – Fluch oder Segen?”, die mir sehr gut gefiel, weil sie viele Aspekte der Sharing Economy betrachtete.

In der nächsten Session plauderte Bernhard von Netto aus dem Nähkästchen und erzählte Anekdoten. So hat Netto beispielsweise eine IT-Abteilung von 30 Menschen bei einer Mitarbeiterzahl von fast 60 000 und im Schnitt öffnen und schliessen jeden Tag je 5 Netto-Fillialen.

Parallel zur Netto-Session hätte ich gerne noch die Session von @fripi zu alternativen Beziehungsformen und @wolfspelz Session über Krisenvorbereitung besucht.

Nach dem Highlight über die “Geheimnisse hinter Discountern” folgte eine Session zu “Next Gen Social Networks”. Ich fand es schade, dass dies sich dahin entwickelte, warum ein Teenager Facebook und Whatsapp nutzt und dass das nächste soziale Netzwerk ein Facebookklon sein wird. Es gab aber auch vereinzelt Beiträge wie “Neue Netzwerke kommen, wenn neue Anwendungsfällle nicht abdeckt werden.”

Mit dieser Session war der erste Tag für mich gelaufen, wir checkten fix im Hotel ein und gingen danach mit Juna, Daniel und Dorothee Essen und Trinken. Es war ein gelungener Abschluss des ersten Tages, ein schöner, langer Abend mit tollen Gesprächen.

Entsprechend spät ging der zweite Tag los, wir ließen die Sessionplanung sausen, während wir im Hotel das Frühstück genossen. In der ersten Session am zweiten Tag erzählte Jan in seiner Session Anonym im Internet interessante Dinge, wie man sich vergleichsweise anonym im Netz bewegt.

Anschliessend ließ sich Stefan in seiner Session Open Transport Data zu Fahrplandaten und das Chaos dahinter aus. Andere Länder sind da, mal wieder, weiter als Deutschland.

Dabei zeigte er uns so schöne Seiten wie TRAVIC, bei dem Anhand der Fahrpläne die Position von Zügen, Bussen oder U-Bahnen auf einer Karte anzeigt wird. Eine Art Fortsetzung gibt es am 29.11. in Stuttgart mit dem Open City Camp.

Nach einer Mittagspause mit wunderbarem Catering und Getränken weckte Dorothee mit ihrem Votrag zu ihren beiden Fahrrad-Weltreisen Fernweh. Wir hatten sie am Abend vorher noch ein bisschen motiviert und er gefiel mir ausserordentlich gut. Dorothee unternimmt Radreisen, seitdem sie 14 Jahre alt ist. Das wurde dann immer größer und irgendwann hat es niemanden mehr gewundert, dass sie gekündigt hat, um mit dem Fahrrad um die Welt zu fahren. Wow!

Passend hierzu auch noch folgendes Foto aus einer Session, die ich leider nicht besucht habe.

Ich habe das Foto auf twitter gesehen und muss seitdem öfter an den Spruch denken. Ein schöner Spruch.

Hauke, ein weiterer Barcampneuling, stellte mit einer Session mit anschliessender Diskussoin das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie vor, eine Alternative zum Kapitalismus. Während es den meisten Unternehmen bisher darum geht, möglichst viel Geld zu verdienen und den Gewinn zu maximieren, baut die Gemeinwohlökonomie auf dem Ansatz auf, nachhaltig, sozialverträglich und kollaborativ zu wirtschaften. Möglich machen soll das ein Bottom-Up-Ansatz, der von den Bürgern von Gemeinden und Kommunen ausgeht.

In meiner letzten Session auf dem #bcka14 gab uns @fripi einen Einblick in seine Arbeit im Schockraum. Er hatte den Vortrag am Samstag schon mal gehalten, aber da hielt ich parallel meine eigene Session. Folglich war ich ziemlich froh, dass Nils “Suizid – 5 Ways to leave you life” wiederholte. Er gab eine Art Best-Of der Suizide zum Besten. Für die Arbeit im Schockraum bedarf es wohl einer gehörigen Portion bösen Humors.

Nächstes Wochenende steht das #bcrm14 in Frankfurt an, auf das ich mich auch schon sehr freue. Erik forderte im Voraus eine Session von mir zum Alternativen zu Facebook, Google und Co. ein.

Darüber hinaus würde ich gerne diskutieren, warum man verschlüsseln sollte und wie man andere davon überzeugt. Dazu bin ich in Karlsruhe leider nicht mehr gekommen. Habta Lust?

Zusammenfassend kann ich sagen: Danke an die Sponsoren und die Orga für die Organisation. Danke an die Menschen, die da waren und diskutiert, vorgetragen, inspiriert haben. Es war schön mit euch. Hoffentlich sehen wir uns spätestens nächstes Jahr wieder!

Übernachtet haben wir übrigens im Hotel am Karlstor. Wenn ihr ein günstiges, zentrales, aber doch vergleichsweise ruhiges Hotel in Karlsruhe sucht, schaut euch das doch einfach mal an. Die wissen gar nicht, dass ich sie hier erwähne und haben nicht dafür bezahlt. Wir haben zu zweit für ein ordentliches Doppelzimmer mit großem Frühstückbuffet insgesamt 60€ gezahlt.

Das nächste #twabendessen

Update

Ihr habt euch entschieden, wir treffen uns am 3.12. um 19:00 Uhr im RED.


Ich habe eben einen Tisch für 10 Personen reserviert. Wenn jemand vor mir da ist, darf er gerne nach “twabendessen” fragen.

Ich freue mich auf euch!

Ursprungsbeitrag

Ein #twabendessen gab es schon lange nicht mehr. Viel zu lange. Das muss sich ändern!

Das letzte Mal gab es vor eine kleine Diskussion, dass das red, das wir sonst immer besucht haben, nicht wirklich barrierefrei ist.

Bisher war es meistens so, dass wir im red gegessen haben und hinterher im Friedrich noch heisse Schokolade, Wein, Bier getrunken haben. Und damit waren bisher alle zufrieden, es waren schöne Abende.

Im Anschluss an das letzte #twabendessen standen @irrlicht, @junaimnetz, @nivatius und ich noch am Bismarcklplatz und haben darüber geredet. Dabei kam folgender Kompromiss auf:

Erst treffen sich die, die im red essen möchte, im red und essen etwas im red. Den zweiten Teil des Abends könnten wir beispielsweise im Friedrich, dem Vater Rhein, oder dem Gegendruck verbringen, je nachdem worauf ihr Lust habt.

Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden, wenn jemand mit ins red will, es sich aber nicht leisten kann. Wenn du möchtest, lade ich dich gerne auf die Getränke ein.

Es gibt ein Dudle für den Termin.

Was hälst du vom Kompromiss? Worauf hast du Lust, Vater Rhein, Gegendruck, Friedrich oder doch was anderes?

Wolfgang Ischingers Vortrag am DAI in Heidelberg

Anfang des Jahres hielt der deutsche Bundespräseident Joachim Gauck eine Rede auf der Münchener Sicherheitskonferenz. In dieser Rede verpackte Gauck seine Forderungen in Fragen wie beispielsweise

Reagiert es [Deutschland] seinem Gewicht entsprechend?

Er plädierte in dieser Rede dafür, dass Deutschland mehr Initiative ergreifen solle.

Was ist diese Münchener Sicherheitskonferenz eigentlich?

Die Konferenz beschreibt sich selbst als “unabhängiges Forum, das sich der Förderung friedlicher Konfliktlösung und internationaler Kooperation beim Umgang mit gegenwärtigen und zukünftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen widmet”

Manche Menschen sind eher der Ansicht, die MSC sei eine “Versammlung der wirtschaftlichen und politischen Machteliten der Nato und EU-Staaten, die sich über gemeinsame Strategien zur Aufrechterhaltung ihrer globalen Vorherrschaft verständigen”

Bis 1994 hieß die Konferenz “Internationale Wehrkundebegegnung”. Die Umbenennung in “Münchener Sicherheitskonferenz” ist für mich eine Art Greenwashing der Rüstungsindustrie.

Finanziert wird die “Internationale Wehrkundebegegnung” unter anderem vom Steuerzahler, der Bundeswehr, aber auch von Kraus-Maffei Wegmann, der SOCAR, der Familie Quandt, Raytheon und anderen.

Seit 2009 organisiert Wolfgang Ischinger die Münchener Sicherheitskonferenz.

Wolfgang Wer?

Ischinger ist der ehemalige deutsche Botschafter in den USA und England, bevor er vom auswärtigen Amt beurlaubt wurde, “um dem Wunsch der Bundesregierung entsprechend” die MSC zu organisieren.

Gleichzeitig ist er als “Global Head of Government Relations” für die Allianz-Versicherung und in deren Aufsichtsrat tätig. Die Allianz war so dreist, diese Stelle extra für einen Diplomaten zu erschaffen. Ich weiss nicht, ob ich es so gut finde, dass ein Diplomat Lobbyarbeit verrichtet.

Und warum erzählst du das?

Das Deutsch-Amerikanische Institut in Heidelberg hat gestern zusammen mit der Rhein-Neckar-Zeitung eine RNZ-Forum mit dem Titel “Deutschlands europäische und internationale Rolle” organisiert. Als Gesprächspartner hatte man besagten Wolfgang Ischinger eingeladen. Erst kürzlich hatte die Rhein-Neckar-Zeitung ein Forum veranstaltet, bei dem man dem ehemaligen und wiedergewählten Oberbürgermeister Eckart Würzner die Möglichkeit gab, sein Wahlprogramm ohne kritische Fragen herunterzubeten.

Das ist zwar nicht so schlimm wie wenn Scheisse direkt auf einen Ventilator trifft, aber da die RNZ als Tageszeitung quasi eine Monopolstellung in Heidelberg hat, heisst das nicht, dass das viel besser ist, wenn man Menschen eine unkritische Bühne für ihre Scheisse bietet.

Die Veranstaltung mit Ischinger war die erste aus einer Reihe mit Experten aus dem In- und Ausland zu Deutschlands Rolle in Europa und der Welt. Der Auslöser dafür war Gaucks Rede auf der MSC, diese “Zäsur verdiene eine öffentliche Debatte”.

Und wie fängt man eine öffentliche Debatte am besten an? Klar, indem man Wolfgang Ischinger ein Forum gibt, seine Scheisse zu verbreiten. Funfact nebenbei: Das ganze läuft als “Kulturveranstaltung”.

Der Abend lässt sich in drei Teile aufspalten. Nach einer kurzen Einleitung durch die Rhein-Neckar-Zeitung hielt Ischinger einen Vortrag, dann stellte er sich ein paar Fragen der RNZ und zum Schluss durfte ihn das Publikum befragen.

Der Abend bot ziemlich viel Bullshit, entsprechend möchte ich den Vortrag Ischingers in einem und die Fragen von RNZ und Publikum in einem zweiten Blogpost behandeln. Ich hatte mir meinen Laptop geschnappt und vom RNZ-Forum unter dem Hashtag #RNZForumMSC getwittert.

Ischinger begann seinen Vortrag mit der Offenbarung, dass man früher nur sieben Semster studieren musste, um an einen Doktortitel zu kommen:

Der Vortrag von Ischinger

Zu Beginn erklärte er, dass Aussenpolitik nicht so leicht sei, wie manche Menschen denken.

Selbst unter Profis herrsche eine große Unsicherheit, wie man gute von schlechter Aussenpolitik unterscheiden könnte.

Um das zu veranschaulichen erzählte er eine Geschichte von Johannes Rau, die wie ein schlechter Witz klang. Es ging um Papst Benedikt XVI.

Nach einem Termin in München wird der Papst in eine moderne, übermotorisierte Limousine à la 7er BMW mit 12-Zylinder-Maschine gesetzt, die ihn zu seinem nächsten Termin in Stuttgart bringen soll. Auf der Autobahn beugt sich der Papst zu seinem Chauffeur vor und fragt ihn, ob er nicht selbst mal ans Steuer dürfe. Als Papst werde er nie wieder das Vergnügen haben, ein solches Auto über die Autobahn scheuchen zu dürfen. Der Chauffeur fährt rechts ran und die beiden wechseln die Plätze. Daraufhin rauscht der Papst mit überhöhter Geschwindigkeit über die Autobahn und wird kurzee Zeit später von einer Polizeistreife angehalten. Als der Polizei den Papst am Steuer erkennt, ruft er seinen Chef an, da er unsicher ist, wie er einen VIP behandeln soll. Sein Chef weist ihn an, ihn wie jeden anderen Bürger auch zu behandeln. Wenig später ruft der Steifenpolizist ihn erneut an. “Soll ich den wirklich bestrafen?” “Wer ist das überhaupt?” “Keine Ahnung, aber sein Fahrer ist der Papst!”

Das Publikum fand das ziemlich lustig. Laut Ischinger ist die Conclusio aus dieser Geschichte, dass man erstmal herausfinden muss, ob man das, was man sieht, auch richtig versteht.

Nach der Geschichte kam ein Schwenk zu Gaucks Rede.

Viele würden die Forderung nach mehr Initiative mit militärischer Intervention gleichsetzen, die Ursache sieht Ischinger darin, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung durch die Presse fehltgeleitet werde. Es ging aber nicht nur um Militäreinsätze, so Ischinger.

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Kleiner Einschub meinerseits: Nachträglich kam mir der Eindruck, dass Ischinger den Menschen nicht zutraut, sich selbst zu informieren, deshalb schiebt er es auf diese böse Presse. Und überhaupt will er wenig an bisherigen Herrschaftsverhältnissen ändern. Die sind ja auch bequem, wenn man oben ist. Nochmal ein Satz vom Anfang:

Manche Menschen sind eher der Ansicht, die MSC sei eine “Versammlung der wirtschaftlichen und politischen Machteliten der Nato und EU-Staaten, die sich über gemeinsame Strategien zur Aufrechterhaltung ihrer globalen Vorherrschaft verständigen”

Er fuhr mit Steinmeier fort, der ebebfalls an der diesjährigen Wehrkundetagung teilgenommen hat. Er [Steinmeier] hat in einer Talkshow erzählt, dass er immer wieder von Menschen gefragt werde, warum die Welt denn zur Zeit so kaputt sei.

Für Ischinger sind nur solche Krisen relevant, die in sein Weltbild passen. Und das will er natürlich nicht beschädigt sehen.

Aber immerhin:

Als erste Ursache machte Ischinger die allgemeine Veränderung der Weltpolitischen Gegebenheiten aus, es herrsche eine Krise der Modelle, es herrsche Verunsicherung über den Weg nach vorne. Ischingers Weg nach vorne ist meiner Ansicht nach eher ein Auf-der-Stelle-treten.

Gleichzeitig gäbe es einen rasanten Aufstieg neuer Mächte, vor allem von China. Dadurch sei es schwieriger geworden, kollektive Ursachen für die ganze Welt zu treffen

Wer für ihn diese bösen Länder sind, sollte klar sein, oder?

Damit man Entscheidungen treffen kann, habe man die G7 bzw. G8 gegründet, quasi als Hilfsinstrument.

Man könnte auch sagen, dass die G7, G8 ein guter Weg sind, sich über die UN hinwegzusetzen. Denn wer entscheidet bei den G7, G8, wer am Tisch sitzt? Da kann man halt auch mal unbeliebten Schulkindern das Mitspielen verbieten.

Noch so jemand, der Demokratie anstregend findet. Danke, keine weiteren Fragen.

Die zweite Ursache ist für Ischinger das Fehlen eines deutschen Nationalstaats, als dritte Ursache machte er den Wandel in der Kriegsführung aus.

Der Staat habe sein Gewaltmonopol an Freischärler wie den IS verloren.

Hört ihr? Dieses Internet wird von Islamisten als Waffe missbraucht.

Ganz im Sinne von “Früher war alles besser”, denn:

Heute arbeiten diese Freischärler wie gesagt viel mit dem Internet.

Neben der NSA erwähnte er auch die Propagandamaschinerie des IS.

“Was sollten wir eigentlich tun, um im Sinne von Gauck und Steinmeier mehr Führung zu zeigen?”, wollte er wissen. Getreu dem Motto “Beantworte ich später, erstmal was zur Ukraine!” erstmal was zur Ukraine:

Viele würden noch nicht mal wissen, wo die Ukraine überhaupt liegt, dabei sei es von Wien nach Bregenz weiter als von Wien bis zur ukrainische Grenze.

Gleichzeitig gab er zu

Man könnte sich jetzt denken, dass er das Thema wenigstens fair angeht…

Der erste Punkt war:

Der zweite:

Aber warum sollten wir der Ukraine helfen?

Wohltäter der Weltpolitik! Klingelt es da bei euch? Wie dem auch sei: Wenn es nicht um Wohltat geht, um was geht es denn dann?

Klingt nach Gauck-Rede, oder? Trotz des Fehlverhaltens der NSA gilt:

Hm, schwierige Sache, wie geht man das am besten an? Er hätte da einen TTIP.

SO DENKT DOCH AN DIE WIRTSCHAFT!

Radoslaw Sikorki beispielsweise fürchte deutsche “Macht weniger als deutsche Untätigkeit“.

Wisst ihr, was das war? Richtig, der Bullshitdetektor. Ich bin erstaunt, dass er dieses Mal so lange gehalten hat. Egal, zurück zum Thema:

Darüber hinaus leiste sich Deutschland seit 2006 den Luxus, kein Weißbuch mehr herausgegeben zu haben.

Diesem Statement folgten eine ganze Reihe weitere zum Thema Armeen. Beispiele gefällig? Ich habe da mal was vorbereitet.

Uber für die Bundeswehr? Muss man da nicht regulieren? Weiterhin plädierte er für eine gemeinsame Ausbildung von Soldaten, als Beispiel dienten ihm Sanitäter. Wunden in Dänemark würden sich von denen in Italien nicht unterscheiden, meinte er. Trotzdem gäbe es zwei unterschiedliche Sanitätslehrgänge.

Ich glaube, er weiss selbst nicht so recht wo er steht. Irgendwo zwischen “Mensch, spart die Armeen doch nicht kaputt!” und “Oh, hier ist doch Einsparpotential!!!elf”.

Mal zu etwas, was mein Ausbildungsleiter gerne benutzt: “Erwartungshaltung”. Was ist laut Ischinger eigentlich die Erwartungshaltung anderer Länder an die BRD?

Hm, okay, verstehe.

Aber jetzt mal unter uns, was erwarten die Welt eigentlich von uns?

Warum er kurz vorher erwähnte, dass man mit Gewalt seiner Meinung nach Frieden erzwingen kann, das war bestimmt nur schlechtes Timing. Er findet es wichtig, dass die Bundesregierung viel Zeit investiert, um eine Lösung zu finden.

Ischinger schloss seinen Propagandascheiss Votrag mit einem Zitat von Marc Twain, das angeblich gar nicht von Marc Twain stammte, sondern von Edgar Wilson.

Das war der erste von zwei Blogposts zum RNZ-Forum mit Wolfang Ischinger im Deutch-Amerikanischen Institut in Heidelberg. Der zweite Beitrag wird sich um die Fragen der RNZ und des Publikums an Ischinger drehen.

Habemus Whiteboard!

In der Schule wurden die grünen, schönen Tafeln irgendwann durch große, weisse Whiteboards ersetzt, warum auch immer. Wahrscheinlich sind die einfach billiger. Mir gefällt an Tafeln und Whiteboards, dass man da so schön drauf rumkritzeln kann und viel Platz hat. Noch cooler sind nur noch Smartboards, doch dafür reichen die Früchte meines Geldbaumes leider noch nicht aus.

Ich liebäugelte schon länger mit so einem Teil, als Maik mich dann noch auf Whiteboardwandfarbe aufmerksam machte, kotzte ich gefühlte Regenbögen. Doch gekauft habe ich mir bisher weder die Farbe noch ein Whiteboard.

Als ich mich dann Ende August im Coworkingspace einmietete, misteten die gerade die Bude aus und hatten mehrere Whiteboards übrig. Auf meine Frage, was denn damit passiert und ob ich nicht eins haben könnte, bekam ich ein Whiteboard. Das stand seit circa Anfang September dann hier in der Wohnung im Weg rum. “Aufhängen? Das kann ich auch morgen noch machen”, lautete die Devise, obwohl ich schon passende Schrauben und Dübel besorgt hatte.

Letztes Wochenende wollte ich das Teil dann nun endlich an die Wand klatschen. Als sich der Sonntag Abend dann dem Ende neigte, wurde mir bewusst, was ich vergessen hatte. Richtig, das Whiteboard stand weiter im Weg rum. “Nächstes Wochenende!”

Dieses “Nächstes Wochenende!” kam mir gestern nachmittag wieder ins Gedächtnis. “Aber es ist doch Feiertag”, sagte der Engel auf meiner Schulter, “Das kannst du doch nicht so einfach machen”.

Dem Teufel auf der anderen Schulter war das egal: “Heute oder nie!”. er schnappte sich die Bohrmaschine und verpasste der Wand vier Löcher. Als ich das Whiteboard dann festschrauben wollte, merkte ich, dass ich der Teufel falsch gemessen hatte. Da hatte sich wohl der Fehlerteufel eingeschlichen.

Der Engel war mittlerweile verstummt. Ratz fatz maß der Teufel neu ab und löcherte die Wand erneut. Dann kamen die Dübel und ich konnte das Whiteboard mit Hilfe an die Wand bringen. Da hängt es jetzt mehr oder weniger gerade.

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Aber es hängt.

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Ich möchte mich bei meinen Nachbarn für die zwei mal paar Minuten Lärm an einem Feiertag entschuldigen. Wir sind jetzt quitt. Weiterhin danke ich den Breidenbachmenschen für das Whiteboard. Die falschen Löcher werde ich wohl bei Gelegenheit mal zumachen. Nächstes Wochenende, ne?

Sunset

Vom Balkon aus habe ich einen wunderschöne Blick in Richtung Westen auf die Rheinebene. Das hat den netten Nebeneffekt, dass ich sehr häufig einen sehr schönen Sonnenuntergang zu sehen bekomme.

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Doch schöne Bilder sind das eine. Heute habe ich mich nicht lumpen lassen und mithilfe modernster Technik, viel Geld und unglaublich viel Aufwand dieses atemberaubende Meisterwerk gezaubert.

Okay, okay, meine Kamera ist ein bisschen älter und als Stativ dienten zwei Pappkartons. Aus diesem Grund ist das Video minimal verwackelt und nicht UHD.

Insgesamt habe ich heute zwei mal 30 Minuten gefilmt, denn länger kann die Kamera nicht am Stück aufnehmen. Danach habe ich noch ein bisschen geschnitten und Musik und Titel eingefügt.

Die Musik ist ein Ausschnitt aus “I’m not alone” vom “Pk jazz colletive“. Eigentlich wollte ich “Animal Bar” von den RHCP nehmen, habe mir dann aber ein paar Gedanken zum Thema Lizenzen gemacht und nach freier Musik gesucht.

Der Aufwand und die Kosten hielten sich also ebenso in Grenzen wie die modernste Technik. Ich habe vor, mir demnächst einen Handyadapter für mein Stativ zu holen, dann kann sowas auch in FullHD machen. Doch dazu muss ich erstmal den Kameraadapter für das Stativ wiederfinden. Das war der Grund, warum ich heute Pappkartons verwendet habe.

Und jetzt raus damit, wie findest du’s?

#OBwahlHD

Die Wahl zum Oberbürgermeister ist vorbei. Von 21.634 Menschen, die ihre Stimme im Wahllokal abgegeben haben. haben 18.431 den amtierenden Oberbürgermeister Eckart Würzner wiedergewählt. Eine “überwältigende Mehrheit“, wie die Stadt meint. Ein Armutszeugnis, wie ich finde.

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Zum Thema “Nichtwähler_innen” habe ich mir letztens schon ein paar Gedanken gemacht. Ich finde es erbärmlich, dass 18.431 Menschen entscheiden, von wem mehr als 150.000 regiert werden. Ich finde nicht, dass Würzner eine gute Wahl gewesen ist.

In dem Wahllokal, in dem ich meine Stimme abgab, wurde die Anzahl der abgegebenen Stimmen mit einem Abakus gezählt, kein gutes Omen. Bis halb 5 hatten 81 Menschen ihre Stimme abgegeben.

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Die “Alternative”, der “andere Kandidat”, der “Tunnelexperte”, selbsternanntes Mitglied der “Elite” und selbsternannter Messias, Alexander Kloos, war für mich noch unwählbarer. Beispiele? Gerne:

Kurz vor der Wahl bekam er sogar noch Unterstützung:

Ziemlich nervig war auch sein Mimimi, dass er nicht von den linken Parteien unterstützt wird, aber das liegt ja nicht an ihm, wie er es eindrucksvoll in einer Pressemitteilung formulierte.

Sicherlich kann man Parteien einen Vorwurf machen, dass sie keinen Kandidaten aufgestellt haben. Das heisst aber nicht, dass diese Parteien, auch wenn sie links sein mögen, einen Kandidaten unterstützen, wie von Kloos gefordert. Das hat er wohl nicht verstanden. Bisweilen kam es mir so vor, dass seine einzige Qualifikation seine Kandidatur war. Und er gab sich echt Mühe, mich in diesem Eindruck zu bestärken.

Da muss er auch nicht versuchen, sich als “Leonidas” zu etablieren, der mit 300 150 Spartanern Unterstützungsunterschriften die Demokratie retten will.

Aber es gibt noch Hoffnung!

Ein paar mutige Twitterer wollten die Stimmen ihrer Follower nutzen, um sich zum Bürgermeister wählen zu lassen. Wäre ich Kloos, würde ich mich nun zur Elite zählen, denn diese Idee hatte ich schon vor einem halben Jahr. Den Tweet dazu reiche ich nach, wenn ich ihn finde.

Nachtrag

Die Rhein-Neckar-Zeitung hat ein paar Artikel zum “Wahlsieg” von Würzner im Programm.

So wurde er kurz vor seiner Wahlparty interviewt.

Zitat von Würzner:

Immerhin 85 Prozent begrüßen die jetzige Politik.

Auch Joachim Hahn vom städtischen Amt für Stadtentwicklung und Statistik wurde von der RNZ befragt, ob “85 Prozent für Würzner bei knapp 22 Prozent Wahlbeteiligung ein wirklich klares Votum [sind]”. In die Antwort wird ihm ein “Ja” in den Mund gelegt, obwohl er lediglich die niedrige Wahlbeteiligung mit ein paar Zahlen “erklärt”.

Da liest man unter anderem auch folgenden Satz:

Und hätte der Amtsinhaber keinen Wahlkampf gemacht, wäre die Wahlbeteiligung noch stärker nach unten gegangen.

Keine weiteren Fragen.

Scheinbar kam auch Alexander Kloos auf dem Marktplatz kurz zu Wort:

Mit knapp zehn Prozent ist das soziale Gewissen der Stadt gerettet. Und ich freue mich darauf, OB Würzner in den nächsten Jahren weitere gute Tipps geben zu können.

Er hat sich vertan, er meinte wohl 1,9%. Und nein, das soziale Gewissen wurde nicht gerettet, nur weil ihn jemand gewählt hat. Freut euch schon mal auf einen “gescheiten Flughafen“. Ausserdem soll das “UNO Militär HQ” nach Heidelberg, um “die Stadt offener zu machen”. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Tipps dankend abgelehnt werden.

Nachtrag 2

Gerade retweetete mir @sebidotorg einen sehr schönen Blogpost in die Timeline.

Und nicht nur in Heidelberg gab es Oberbügermeisterwahlen. In Tübingen sind mehr als 50% wählen gegangen. Das muss diese geringe Wahlbeteiligung sein, von der Joachim Hahn vom städtischen Amt für Stadtentwicklung und Statistik in der RNZ gesprochen hat!

Die Stadtredaktion lässt sich ebenfalls über die Wahl aus.

Oder Foodblogger?

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Picture my day-Day 16

Heute ist wieder Picture my day-Day, es ist schon der sechszehnte. Er darf jetzt also Bier kaufen.

Der #PmdD16 wird von Mareike organisiert. Dankeschön Mareike!

Sie beschreibt auch sehr schön, was ein #PmdD ist, ich gutenberge das mal von ihr:

Am “Picture my Day”-Day schnappen sich Blogger so wie Twitterer ihre Kamera und machen den ganzen Tag Fotos. Es geht hierbei nicht darum möglichst tolle Hochglanzfotos zu machen, sondern möglichst viele Fotos vom eigenen Tagesablauf zu machen. Handy Fotos reichen auch. Es ist kein Wettbewerb darum wer den spannendsten Tag hatte sondern eine einfache, bildliche Darstellung ohne viele Worte. Und selbst wenn ihr an dem Tag gar nichts macht, könnt ihr immer noch euer Essen oder den Fernseher fotografieren. Hab ich auch schon gemacht.

 

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Es sieht so aus, als würde ich den ganzen Tag essen. Heute hat die Schule wieder begonnen. Ausserdem habe ich mich zwei Stunden hingelegt.

#rnzwahlforum

Nach dem beliebten ersten Teil der bisher einteiligen Reihe “Nathan besucht Propagandaveranstaltungen” folgt heute der zweite Teil der dann zweiteiligen Reihe “Nathan besucht Propagandaveranstaltungen”.

Am 19.10.14 stehen die Wahlen des Oberbürgermeisters an. Zur Wahl stehen der amtierende OB, Eckart Würzner, und ein einziger, unabhängiger Gegenkandidat, Alexander Kloos. Der Anhänger der NPD hat nicht genug Unterstützer gefunden.

Danke dafür, Heidelberg!

Die Rhein-Neckar-Zeitung hat für gestern Abend zum sogenannten RNZ-Wahlforum geladen. Bürger durften vorher ihre Fragen einreichen.

Es gab wohl kein WLAN, der @RNZ_Reporter twitterte mit über seine Mobilfunkverbindung. Eigentlich wollte ich auch twittern, hatte jedoch weder WLAN- noch Handyempfang. Von daher dürft ihr euch jetzt auf mehr als 4000 Wörter freuen. Danke an @goetzmuenstermann für die Korrektur!

Es waren nicht wirklich viele Menschen da, hauptsächlich ältere Leute. Bevor es losging, schüttelte Würzner jedem die Hand.

“Moderiert” wurden die knapp 90 Minuten von Ingrid Thoms-Hoffmann. Die Veranstaltung begann mit einer Gedenkminute an Nils Weber, Heidelbergs dienstältesten Stadtrat. Er erlag letzten Donnerstag seiner Krebserkrankung.

Fragen der RNZ

Vor 8 Jahren waren noch 4 Kandidaten auf dem Podium, heute saß nur Würzner da. Darauf zielten die ersten beiden Fragen ab.

Dieses “Wenn Sie wiedergewählt werden” entwickelte sich zum Running Gag des Abends.

Ob das Amt des Oberbürgermeisters so unattraktiv sei, wollte Frau Thoms-Hoffmann wissen. “Oder sind Sie so gut? Warum ist keiner da?”. Die RNZ hatte anscheinend nur Eckart Würzner eingeladen, der zweite Kandidat kommentierte die Veranstaltung via Twitter.

Eckart Würzner antwortete nicht konkret auf die Frage. Er beschrieb das Amt als “Schönes Amt mit Schattenseiten”, als eine Aufgabe, der man sich wie seiner Familie komplett widmen müsse. Da gebe es natürlich viel Konfliktpotential.

Seine Politik sei bunt, sagte Würzner. Während sie im Umweltbereich grün sei, in anderen Bereichen sozialdemokratisch, so ist sie im wirtschaftlichen Bereich eher konserverativ.

Würzner war vom Angebot der Gegenkandidaten etwas enttäuscht.

Im Fokus seiner Politik stehe stets die Stadt. Aus diesem Grund erfahre er so viel Unterstützung durch alle Parteien hindurch, sagte er.

“Dass Sie am 19. gewählt werden, ist ja klar. Entscheidend ist die Wahlbeteiligung”. Ob er Albtraum vor schlechte Wahlbeteiligung habe? Nein, Angst habe er keine, sagte Würzner. Dadurch, dass er viel unterwegs sei, bekomme er mit, wo der Schuh drücke.

“Sie wollen doch mehr als 16,5% wie in Mosbach, die Ihr Kollege bekommen hat, oder?” Die Arbeit sei nicht einfach, bei einem Gemeinderat mit 48 Stadträte aus mehreren Parteien.

Findet es da etwa jemand doof, wie die Menschen in Heidelberg gewählt haben? Oh, wait… Was hat das eigentlich mit der Frage zu tun? Vielleicht klappt es beim nächsten Mal ja besser.

“Warum wollen Sie OB bleiben? Sie haben doch was gutes gelernt.” Ja, er habe in der Tat einige interessante Jobangebote bekommen. Aber er liebe Heidelberg! Die internationale Stadt sei ein eigener Mikrokosmos, man findet aber alles Internationale auf der lokalen Ebene und kann es umsetzen. Die Stadt ist offen für alles, auch (!) Flüchtlinge. Es sei eine tolle Perspektive, wenn man diese Stadt entwickeln darf.

In der nächsten Frage schwang wieder der Running Gag mit: “Warum machen Sie Wahlkampf? 120 Plakate, ein eigenes Wahlkampfbüro, wie finanziert ein Kandidat so einen Wahlkampf?” Jeder Kandidat muss das selbst finanzieren, wobei einige politische Parteien ihn unterstützen würden. So? Welche denn?

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Keine weiteren Fragen.

Das Ganze sei finanziell aber durchaus machbar, ganz so wenig verdiene er als OB auch nicht. Hier kam die erste Leserfrage nach einem oder mehreren Großspendern ins Spiel. Eigentlich habe er keine Großspender, so Würzner. Es gäbe aber einen Mäzen, der etwas mehr gemacht haben soll und in Heidelberg bekannt ist. Grundsätzlich lebe der Wahlkampf davon, dass viele ein bisschen geben. Müssen solche Spenden eigentlich veröffentlicht werden?

Sein Grundsatz beim Wahlkampf ist, nicht alles wahllos zu zu plakatieren. Er zieht es vor, lieber dezenteren Wahlkampf machen, wie mit Diskussionen oder seinen Sonntagsmatinees zu machen. Oder halt auf von der RNZ bezahlten.

Auf die Frage, ob er sich manchmal erschöpft fühle, entgegnete er, dass er vorhin erstmal einen doppelten Espresso getrunken habe. Ausserdem habe er als Marathonläufer eine gute Kondition, da ginge das.

“Sie sind innerhalb von 8 Jahren zu einer gläsernen Person geworden. Sind Sie der selbe wie vor 8 Jahren?” “Nein.” Jeder verändere sich, beispielsweise habe er heute eine ganz andere Wahrnehmung. Unterschiedliche Menschen hätten unterschiedliche Themenbereiche, das sei sehr interessant, sehr abwechlungsreich und sehr vielschichtig. Das verändert einen.

Eines habe er sich jedoch erhalten. Er fahre jedes Jahr mit den gleichen Freunden, mit denen er studiert habe, in den Pfingstferien an den gleichen Ort. Echte Freundschaft geben ihm unglaublich viel zurück, die erden einen auch immer. Er würde dadurch nicht abheben, obwohl er mit so vielen berühmten Menschen verkehre.

Er habe vor 8 Jahren behauptet, der Sonntag sei ihm heilig, “Haben Sie sich daran gehalten?” Würzner: Nein. Es sei sehr schwierig, das alles unter einen Hut zu bringen. Als Kernzeit für die Familie habe er sich Sonntag Nachmittag reserviert, was er aber nicht immer einhalten kann. Er bedankte sich für die großartige Unterstützung von und durch seiner Familie:

“Vor 8 Jahren wurden Sie von Konventparteien unterstützt. Mittlerweile machen Ihnen selbst die Grüne Komplimente. Unterstützen Sie die Konventparteien nach wie vor?”

Hier sei auf die Spendenkonten verwiesen. Seine Antwort war: Ja. Dann führte er aus, dass er als Wissenschaftler aus dem Umweltbereich gekommen sei, als Quereinsteiger, der stets seinen eigenen Weg gegangen ist.

Er ist ungerne gegen etwas, viel lieber öffne er Türen. Angebote statt Verbote kämen an, so könnte man viel mehr Mensche mitnehmen. Als – positives, wer hätte das gedacht? – Beispiel führte er hier das Nachhaltigkeitskonzept der Stadt Heidelberg an, dem sich bereits über 100 Unternehmen angeschlossen hätten.

Die Entscheidungen des Gemeinderats werden immer schwieriger. Schätzungsweise 30 der 48 Stadträte votieren eher gegen die Einstellung des OBs. Frage: “Ist die Umsetzung von Projekte schwieriger geworden?” Die Antwort war sinngemäß ein “Politische Lager sind doof.”

Politik laufe so: Es gibt ein Projekt. Die Frage ist: Wie kann man das auf den Weg bringen? Grundsätzlicher Konsenz bestehe, aber wollen wir reden oder machen? Woher nehmen wir das Geld? Hier seien Koalitionen über Parteigrenzen hinweg notwendig.

Zwei Projekte waren anders: Das Projekt Stadthalle scheiterte, weil man die Bürger nicht abgeholt hätte. Im Gemeinderat habe ein breiter Konsens geherrscht, alle wollten das. Das Problem war, dass man das den Bürgern nicht vermitteln konnte, das funktioniere nicht mehr wie früher. Man muss das mit der Bürgerschaft erarbeiten. Und genau das habe man da nicht gemacht. Ein positives Beispiel sind die Konversionsflächen.

Frage: In welchem Jahrhundert wird das Kongresszentrum verwirklich? Zum Kongresszentrum sagte er an dieser Stelle nicht sonderlich viel. “Wir sind endlich da, bezahlbaren Wohnraum zu realisieren. Die Umsetzung ist Sache der Verwaltung.” Die Konversion beispielsweise lief über städtische Wohnbaugesellschaften und konnte innerhalb der Kosten und der Zeit realisiert werden. Die Stadt brauche aber ein größeres Bürgerbeteiligungsverfahren als Instrument der Zukunft, damit könnten große Projekte realisiert werden.

Nächste Frage. Vor 8 Jahren war Stadt an den Fluss! ein großes Thema. Heute gebe es nicht mal die Lite-Version. “Werden Sie Stadt an den Fluss nochmal angehen?”

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“Frage an den Saal, wer findet das schlecht?” Stille. “Keiner. Grundsätzlich ist das ein gutes Projekt.” Die 80% Förderung habe man aber dadurch vertan, dass man den Schwanz einzog, als es konkret wurde. Er könne das so verhindern: Man müsse Stadt an den Fluss! mit Bürgerbeteiligugn neu aufsetzen. Folglich werde er das Thema wieder aufgreifen. aber nicht 1:1 zu damals.

Nächste Frage: Zusammen mit Peter Kurz habe er sehr für den Verbleib der US-Army in der Region gekämpft. Sie sind sogar nach Washington DC geflogen. “Sind Sie froh, dass die Amerikaner weg sind?”

Laut Würzner waren die Amerikaner ein Gewinn für die Region. Sein Konzept des Abzugs sah aber vor, dass die Army sich im Patrick-Henry-Village konzentrieren solle, und so alles andere frei werden würde. So sollte die Folgen des Abzugs der Amerikaner abgefedert werden.

Doch jetzt sind alle Amerikaner weg. Man könnte die Stadtteile gar nicht in dieser Geschwindigkeit entwickeln, das wäre nicht gesund. Folglich sieht der Plan vor, erst das Mark-Twain-Village zu entwickeln, dann das Hospital und dann die Patton-Baracks. Solange stehen Häuser leer. “Wir dürfen keine Entwicklung zulassen.” Sonst müssten man sich ja um die Stadteile kümmern und sie mit Strom, Warmwasser, Strassen, ÖPNV versorgen.

Würzner so:

Erst wollen man die innerstädtischen Flächen entwickeln.

“Manchmal kommen Sie mir vor, wie ein 1. Schüler, Sie wollen immer der Beste sein.”, beispielsweise durch die Passivhäuser in der Bahnstadt, durch gute Kinderbetreuung, die IBA und die Flüchtlinge. “Was treibt Sie eigentlich an?” Als Familienvater habe er als Ziel, eine gute Perspektive für die Kinder zu schaffen, er wolle gute Erlebnisse weitergeben.

Als er damals nach Heidelberg gezogen ist, haben er und seine Familie Wohngeld bekommen, sie waren Studenten mit Kindern. Es sei für ihn ein großes Thema, die Lebensbedingungen für die Menschen in der Stadt verbessern, beispielsweise durch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Als nächstes wollte Frau Thoms-Hoffmann nicht so gute Punkte ansprechen. So gibt es eine Kluft mit der Universität bei der Strassenbahn ins Neuenheimer Feld. So will die Uni beispielsweise wegen einer anderen Trasse klagen. “Wie geht’s da weiter?”

Grundsätzlich pflege man ein gutes Verhältnis zur Universtität. Vorrausschauendes Handeln sei gelebte Praxis. Ganz offen gesagt waren Statements einzelner zu deutlich. Sie könnten Projekte in eine Richtung schieben, die die Umsetzung von Projekten verkomplizieren würde.

Die Uni bekenne sich deutlich, laut und öffentlich zur Strassenbahn ins Neuenheimer Feld. Man sei lediglich mit der Führung in Teilstrecken unzufrieden. Diese Situation gefährde den Grundsatz, man müsse also einen vertretbaren Weg finden. Die Wünsche der Uni bezüglich der Streckenführung können jedoch nicht einfach am Steuerzahler hängen bleiben.

Wer bezahlt eigentlich die Uni?

Man habe aber beispielsweise durch eine stromlose Führung der Strassenbahn in Teilstrecken auch schon an die Zukunft gedacht. Grundsätzlich sei jedoch wichtig, dass man den größten Arbeitgeber mit den meisten Pendlern nicht mit Bussen anbinden könne. Deshalb sei eine Strassenbahn unabdingbar.

“Wie sieht das mit der 5. Neckarquerung aus?”

Da drücke man sich so ein bisschen vor, obwohl alle wüssten, dass die Notwendigkeit besteht. Viele Institute und Kliniken seien im Neuenheimer Feld konzentriert. Die Grundvorraussetzung sei die Strassenbahn, die alleine aber wohl nicht ausreicht, um alle hinzubringen.

Bisher verhinderte ein einzelner Professor des Max-Plank-Instituts die Neckarquerung. Für ihn sei das ein Eingriff in Naturschutzgebiet. Dieses Problem werde man im nächsten Jahr angehen, es brauche aber klare politische Aussage.

Weiter ging es mit einer Frage zum Thema Immobilien. Die beste Geldanlage in Heidelberg seien immernoch Immobilien. Daraus resulitneren jedoch hohe Mieten. Wird auf den Konversionflächen wirklich billiger Wohnraum geschaffen?

Im Stile der #GroKo beweihräucherte Würzner erstmal die Errungenschaften: “Wir entwicklen uns gut!” Heidelberg sei eine sehr attraktive Stadt, auch für Externe. Die Stadt müsse den Mieten eine aktive Wohnungspolitik entgegensetzen. Diese Attraktivität sei Schuld an der Wohnungsnot.

So habe der Bereich “Mark Twain” fast ausschliesslich bezahlbares Wohnen als Schwerpunkt, was fast einmalig sei. Es gebe einen Pakt mit Wohnungsgesellschaften, denen man die Grundstücke zu fairen Preisen verkaufe, wenn diese sich darum kümmern, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Gesellschaften nehmen dafür bis zu 300 Millionen Euro in die Hand.

Die nächste Frage zielte auf den Konflikt zwischen den Anwohner der Altstadt und den ansässigen Wirten ab. “Ist die Altstadtproblematik überhaupt zu lösen?”

“Ganz schwierig.” Früher sei Heidelberg sehr attraktiv bei Studenten gewesen.

Heute sei es wesentlich ruhiger als früher, denn statt Studenten wohnen heute die Eigentümer der Häuser in der Altstadt. Das führe zu immer deutlicheren Konflikte. Freiburg habe aber das gleiche Problem.

Es könne nicht sein, dass Traditionslokale durch Kläger gefährdet werden würden. Zur Zeit gibt es den Beschluss, keine neuen Kneipen zuzulassen. Ausserdem würde das Thema Sperrzeiten werden mit LINDA und und den Kneipen absprechen. Viele sehen es als probates Mittel an, Kneipen früher zu schliessen.

Anfang der Woche sei erfahrungsgemäß wenig los, für Wochenenden gibt es sogar eine hohe Akzeptanz für längere Öffnungszeiten.

Leserfragen

Die Rhein-Neckar-Zeitung hatte die Leser gebeten, Fragen einzureichen. Die seien bisweilen “sehr kleinteilig, aber auch ganz nett.”. Soviel sei gesagt: Würzner hatte für das meiste so ziemlich alles Verständnis.

Beispielsweise wollte ein Mensch wissen, ob es möglich es, Aussichtspunkte und Begehungsmöglichkeiten schaffen, beispielsweise an der Posselslust oder Riesensteinkanzel. Er habe vom OB leider nie eine Antwort bekommen.

Das Thema Aussichtspunkte sei ihm wichtig, sagte Würzner. Aber einige Aussichtstürme seien im Hochwald eingewachsen. Die “Lösung”, Schneise zu schlagen, hätte durch die Topografie jedoch massiven Eingriffe zur Folge. Beispielsweise müssten Schneise durch den Wald geschlagen werden, um Aussicht zu gewährleisten. Das wäre:

Früher war der Wald ein Erholungswald, die Menschen wanderten viel mehr. Ich sehe den Wald immernoch als Erholungswald. Ich kann mich da super beim Fahrrad fahren erholen. Und ich bin nicht der einzige.

Die Leserfrage kam vom Arbeitskreis Grundschule. Bildung habe laut Würzner den höchsten Stellenwert in der Stadt. Entsprechend überrascht sei man, dass Einsparungen bei Sekretärinnen geplant sind. Daraus resultiere eine Mehrbelastung der Lehrer. Ausserdem müssten Schulleiter noch mehr Sekretariatsaufgaben leisten. Als positives Beispiel wurde Mannheim angeführt, das sich täglich anwesende Sekretärinnen leiste.

Ihm sei das bisher noch nicht als Problem aufgefallen. Es gäbe ein komplexes System bei den Schulen. In Heidelberg kümmere sich die Stadt um die Gebäude, Land ist für Lerninhalte und Schulbetrieb zuständig. Man sprechen gemeinsam mit dem Land, wie das in Einklang gebracht werden kann. Vorschläge werden ans regionale Bildungsbüro weitergereicht.

Gleichzeitig bemängelte er, dass Heidelberg bei der Inklusion noch nicht so weit ist, wie man sich das eigentlich vorstelle. “Wir hecheln der Entwicklung hinterher.”

Leserfrage: Bergheim West wird total vernachlässig, man habe an den Bedürnissen der Bewohner vorbeigeplant. Die Leute haben Angst, dass Grünflächen zugebaut werden.

“Ich höre das häufiger: Wieso wird unser Stadtteil so vernachlässigt?”. Man integrieren Bergheim ins Konzept und sei auf einem guten Weg. Das Ziel sei, die Neckarachse stärker entwickeln. Während die Nordseite schon gut ausgebaut ist, befindet sich die Südseite mit dem Konzept Stadt an den Fluss noch in der Entwicklung.

Die nächste Leserfrage bezog sich auf den Bahnhofvorplatz. Wann wird denn endlich der Bahnhofsvorplatz umgestaltet? Die Fahrräder müssten weg! Ausserdem muss Parksituation für Autofahrer am HBF verbessert werden!

Ja, der Bahnhofsvorplatz sei nicht schön, sagte Würzner. Er soll aufgewertet werden, man wolle auch die Anbindung an die ÖPNV verbessern. Wir planen auch da. So denke man über 4 Gleise für die Strassenbahn nach. Fahrradparkplätze wolle man in einem Fahrradparkhaus an der (noch zu bauenden) Fahrradbrücke anbieten.

Wisst ihr, was wir noch fast gar nicht hatten? Richtig, das Konferenzzentrum! Wann kommt das eigentlich, wollte ein Leser wissen.

Beschlossen habe der Gemeinderat das im Dezember, so Würzner. Jetzt stelle sich die Frage nach dem Standort. Da dürfen sich Bürger gerne einbringen. Leserfrage: Brauchen wir WIRKLICH ein Konferenzzentrum? Sinngemäß antwortete er mit “Ja.”

Und was ist mit einem Anbau an die Stadthalle? Ob das vom Tisch ist? Würzner findet das persönlich nicht so schön, aber er betonte nochmal, dass Heidelberg ein Konferenzzentrum braucht!

Nächste Frage: Andere Städte wie Karlsruhe haben ein Kinderbüro. “Können wir sowas in Heidelberg machen, nicht auf ehrenamtlicher Basis, sondern professionell?”

Würzner: Es ginge darum, wie etwas angenommen wird. Die Stadt habe schon viel auf den Weg gebracht, beispielsweise eine Ferienbetreuung, die sich nicht nur auf die Sommerferien beschränkt. Ein Kinderbüro auf professionaller Basis könne man sich mal anschauen, muss aber nicht sein.

Die nächste Leserfrage ging um den Bismarckplatz. So sei ein ebenerdiger Ausstieg aus Bahn ist Glückssache. Ausserdem müssten die Betonklötze um Strommasten müssen weg. Und überhaupt ist der ganze Platz totel hässlich.

Ja, dem könne er nur zustimmen. Die Betonklötze seien eine Interimslösung und ein Überbleibsel einer Großbaustelle. Darüber hinaus muss der Bismarckplatz grundlegend saniert werden. Das habe man ein bisschen vernachlässigt, da die Stadt sich auf die Konversion konzentriert hat.

Stichwort Konversion: Wird es in naher Zukunft eine Anlaufstelle der Stadt für Vergabe von Wohnungen auf Konversionflächen geben?

Ja, sowas muss kommen. Spätestens Januar 2015 würden Informationsportale öffnen.

Können sich Bürger mit Wohnungswünschen für Konversion an jemanden wenden? Da will sich wohl jemand die Filetstücke unter den Nagel reissen.

Würzner meinte: Nicht so eilig! Es müsse erst viel saniert werden, die Wohnungen könnten also nicht sofort bezogen werden.

Die nächste Frage war sehr schön. Wo bleibt der Tunnel Stadt an den Fluss? Wir brauchen den Tunnel als Gesicht für die Stadt!. Da man dieses Thema bereits behandelt hatte, ging’s weiter mit der nächsten Frage.

“Warum gibt es eigentlich keine Strassenbahn nach Neckargemünd? Und warum fährt die Strassenbahn nicht mehr durch die schöne Altstadt?”

Was würde LINDA dazu sagen? Spaß beiseite: Würzner sagte im Merkelstil: Das Thema ist sehr komplex. Überlasst das Thema uns! Das ist viel zu komplex für euch!

Darüber hinaus werde es keine Strassenbahn nach Neckargemünd geben, das sei kein erklärtes Ziel. Es gibt aber doch ein gut ausgebautes S-Bahn-Netz, das viel attraktiver sei und in der nächsten Zeit noch ausgebaut und erweitert werden wird. Das “S” stehe für “Strassen”, so Würzner.

Zwischenfrage: Wie sieht das mit der Strassenbahn nach Schwetzingen aus, nachdem Planktstadt ausgestiegen ist? Darum müsse man gemeinsam dafür kämpfen, das sei schliesslich eine einmalige Chance!1elf

Die Plankstädter sehen das nicht als ideales Modell, die Förderung sei aber nur bis 2019 da, man müsse sich also beeilen.

Die Ortschaften mit einer Schienenanbindung hätten Wohnungszuwachs, das sehe man an der Strecke nach Sinsheim sehr deutlich. Die Orte, die keinen S-Bahn-Halt hätten, sind laut seiner Aussage sogar noch geschrumpft.

Fragen aus dem Publikum

Der dritte Teil waren Fragen aus dem eher mittelmässig zahlreich anwesenden Publikum.

Die erste Frage ging um die Bürgerbeteiligung. Der Besucher wünschte sich, dass man das Stadtblatt dadurch öffnen würde, indem man eine Seite für Bürgermeinungen einrichtet. “Würden Sie das unterstützen und forcieren?”

Kurz: “Nein.” Lang: Die Stadt sei bekannt für Bürgerbeteiligung. Man sei aber keine Zeitung, sondern das Informationsblatt der Stadt. Lasst euch das nächste Statement auf der Zunge zergehen:

Die Kommunikation mit den Bürgern sei Aufgabe der Zeitung.

Ups, das war wohl gerade mein Bullshitdetektor.

Ingrid Thoms-Hoffmann sprang dem Oberbürgermeister bei und stellte die Rhein-Neckarzeitung als Plattform der Bürger da.

Der Nächste, bitte. “Das, was Sie ausgeführt haben, ist gängie Meinung, stimmt aber nicht.” Ketsch habe auch ohne Strassen- oder S-Bahn Einwohner gewonnen. Busse sind genug, wir brauchen weder Strassenbahn noch Schienen.

Die eigentliche Frage war aber eine ganz andere: “Warum sagen Sie “du” und nicht “man”?”

Ups, das war wohl gerade mein zweiter Bullshitdetektor.

Darüber hinaus findet der Mensch die Ampelschaltung an der Kreuzung Berliner Strasse – Jahnstrasse scheisse nicht so durchdacht. Würde man längeres Linksabbiegen erlauben, dann können alle länger geradeausfahren.

Würzner verteidigte die Strassenbahn ins Neuenheimer Feld, das hänge alles zusammen. 60.000 Pendler mit PKW verbessern die Lage nicht unbedingt. Besagte Ampeln hätte man aber bereits mit einer intelligenten Ampelsteuerung ausgestattet, die das Verkehrsaufkommen messen und entsprechen reagieren. Insgesamt brauche man aber mehr Pendler, die den ÖPNV benutzen.

“Und was ist mit “man” und “du”?”

Die Ansprache sei für ihn kein großes Thema, sagte Würzner. Thoms-Hoffmann kommentierte noch, dass Würzner ein Sportsmann sei und das Duzen da Gang und Gäbe ist.

Eine weitere Frage aus dem Publikum ging um das Nachhaltigkeitskonzept. Ob das auch für größere Unternehmen gilt? Kann man da mitmachen?

Kurz: Ja. Hauptsächlich nehmen da aber kleinere und mittelständische Unternehmen teil, größere Konzerne kümmern sich da meistens selbst drum. Hat jemand von euch Erfolgsbeispiele vermisst? Klar, auch hier gibt’s was.

Ein Besucher fragte Würzner nach seinen größten Erfolge, mit welchen Gegenkräfte er zu kämpfen hatte und was die größten Projekte für die nächste Amtszeit sind.
Für Würzner ist der größte Erfolg die Zufriedenheit der Menschen, die in Heidelberg leben. Die Familie sei das klassische Vorbild, man muss miteinander über Grenzen hinweg reden. Der nächsten Generation soll es gut haben. Gleichzeitig sei Bildung ist das wichtigste überhaupt! Er vergaß aber auch die anwesenden Senioren nicht: Auch die Unterstützung von Senioren lege ihm sehr am Herzen.

Frage: Das “Bündnis für Sport” träume von einer Großssporthallte. “Wie stehen Sie dazu?” Für ihn sei Sport ist Bildungsthema, so Würzner. Der Bedarf nach Sporthallen hole die Stadt aber immer wieder ein. Und das sei gut so! Gerade baue man die nächste Sporthalle. Er wünsche sich aber Tribünen für 2000, 3000, 4000 Menschen, damit man auch größere Sachen machen kann. Da das für ihn ein wichtiges Thema ist, sei er bereits in Gesprächen mit Partnern. Zu finden auch auf seiner Website unter “Zukunft”:

eine Großsporthalle für unsere Schülerinnen und Schüler und Vereine

Der Fragensteller, dem die Aussicht wichtig ist, bot Würzner an, gemeinsam mit ihm eine Rundfahrt zu machen. Er würde ihm gerne zeigen, wo man was machen.

Ein Mensch im Rollstuhl kritisierte das Kopfsteinpflaster beim Schloss. Auch wenn es eine jetzt eine behindertengerechte Toilette am Schloss gibt, so sei die Lage katastrophal. “Ob man da mal was tun könnte.”

Der Zustand sei nicht mehr tragbar, so Würzner. Gleichzeitig stehe das Gelände unter Denkmalschutz und gehöre dem Land. Er habe aber bereits einen asphaltierten Streifen beantragt.

Generell sei man da noch nicht fertig, man müsse noch viel machen, um als barrierefreie Stadt zu gelten. Hierzu möchte ich auch auf den Barrierefreien Spaziergang von und mit Alexander Schestag verwiesen.

Die nächste Frage ging um die OEG-Wiese, die als Grünfläche erhalten bleiben soll. Der Marriott-Konzern will sein Hotel auf dem Gelände ausbauen. Die Frage war, ob es nicht eine gute Idee wäre, um Stadt an den Fluss auf dieser Fläche zu verwirklichen.

Würzner entgegnete, dass der Gemeinderat eine Entscheidung getroffen habe, die er widerrufen müsse.

Die letzte Frage ging wieder um das Konferenzzentrum. “Gibt es eine Grünfläche, das Sie für das Konferenzzentrum ausschliessen?”

Laut Würzner werden nur die Flächen diskutiert, die vorgeschlagen werden. Wait, what? Es fallen da also auch Grünflächen rein, die jemand vorschlägt?

Grundsätzliche habe man aber keine Grünfläche im Blick, sondern andere, bebaute Fläche. Man wünsche sich auch mehr Begrünung in den Konversionsflächen. Die Stadt wolle manche Sachen aber auch einfach erhalten. Zum Schluss wünschte man sich nochmal eine hohe Wahlbeteiligung.

Und schon heute hier!

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Fazit

Die RNZ bot Würzner mit dem Forum eine wunderbare Gelegenheit, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Ein Großteil der Fragen waren sicher vorhersehbar, von daher war es ihm wohl ein leichtes, sich entsprechende Antworten zu überlegen.

Man kann ihm nicht den Vorwurf machen, dass andere Parteien es versäumt haben, Gegenkandidaten aufzustellen. Nichts desto trotz bekam Würzner viel Schützenhilfe von der RNZ in Form seiner Gesprächspartnerin Ingrid Thoms-Hoffmann. Und auch der Running Gag des Abends war auch eher so mittellustig.

Im Prinzip hätte man sich auch einfach die Werbebroschüre durchlesen können.

Weitere Links:

Nachtrag

Mittlerweile hat auch die Rhein-Neckar-Zeitung ihren Artikel online gestellt. Ich habe ganz vergessen, mich bei der Zeitung für die Organisation der Veranstaltung zu bedanken. Danke, RNZ!

Es gibt keine Nichtwähler

Im Gegensatz zu Nordkorea sind Volkszählung und Wahlen bei uns nicht das gleiche. Regelmässig nerven uns diese doofen Parteien mit ihrem Wahlkampf. Wir sollen ihnen unsere Stimme geben, sagen sie. Sie vertreten unsere Interessen, sagen sie und manche Parteien lachen.

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Diese Parteien, die lachen, lösen ein Gefühl der Politikverdrossenheit und Ohnmacht aus. Warum soll ich wählen, wenn sich dadurch eh nichts ändert? Wenn viele Menschen so denken, dann kommt raus, dass ein Bruchteil der Menschen in Brandenburg entscheiden, von wem alle betroffenen Menschen regiert werden.

Natürlich gehört zu jedem Wahlrecht auch die Möglichkeit, nicht davon gebrauch zu machen und auf die Stimmabgabe zu verzichten. Niemand sollte gezwungen werden dürfen, für oder gegen etwas oder eine Partei zu stimmen.

Wenn du nicht wählst, gibst du deine Stimme trotzdem ab. Die Stimme wird dann prozentual aufgeteilt entsprechend dem Ergebnis, das die Menschen, die ihren Stimmzettel in eine Wahlurne geworfen haben, beschlossen haben.

Ergo unterstützt alle in Brandenburg, der nicht vom Stimmrecht gebrauch gemacht hat, zu 12,2 Prozent die AfD, zu 2,2 Prozent die NPD, und zu 1,5% die FDP. In Sachsen findet jeder Nichtwähler zu 4,9% die NPD gut.

Sicherlich ist das eine sehr einfache Sicht auf die Dinge. Mir kam der Gedanke vor ein paar Tagen und ich fand ihn interessant genug, ihm einen Blogbeitrag zu widmen. Verzeiht mir den provokanten Titel.